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Stadttauben – Gefährten des Menschen ohne Lobby (Vortrag NABU Mülheim)

Vortrag am Samstag, 28.2.15, 16 – 18 Uhr  – Haus Ruhrnatur MH

Das Thema
Stadttauben sind nicht vom Aussterben bedroht. Ihr Gefieder ist nicht farbenprächtig und ihr Gesang nicht sehr melodisch. Sie fliegen und laufen überall in unseren Städten herum, machen Schmutz, sind im Weg und sie leiden und sterben, still und zurückgezogen – meist unbeachtet und unbemerkt. In unseren Städten sind sie für die meisten Menschen selbstverständlich, für viele lästig, für manche verhasst. Sie werden im besten Fall geduldet, meistens vertrieben, gejagt, gequält, verleumdet und missachtet – und sie haben so gut wie keine Lobby. Dabei sind sie seit Jahrtausenden treue Gefährten der Menschen, in allen alten Kulturen rund um die Erde wurden sie – mit Recht – geschätzt und verehrt.

Viele ihrer Eigenarten wurden ihnen angezüchtet, unter anderem ihr unermüdliches Brutverhalten. Man wollte möglichst viele leckere, zarte Taubenbraten, viele Eier, viel Dünger, viele kleine Postboten – und das unabhängig von Jahreszeiten möglichst rund ums Jahr. Mit diesen „Zuchterfolgen“ haben wir nun, wo Tauben keine wirtschaftliche und soziale Bedeutung mehr haben, zu kämpfen. Wir Menschen aber sind seit Jahrhunderten die Verursacher eben dieser Eigenschaften – und das macht uns verantwortlich.

Die Städte überbieten sich seit Jahren im Erfinden von Vertreibungs- und Ausrottungsmethoden. Es wird viel Geld in die Hand genommen, Gebäude und Brücken mittels Spikes und Netzen „bestückt“, um sie vor Taubendreck zu schützen. Es hilft alles nicht. Die Tiere suchen sich ganz einfach neue Plätze. Es werden Greifvögel zur Bejagung eingesetzt. Die Tauben fliegen davon und kommen zurück, wenn die Luft wieder rein ist. Es werden Fütterungsverbote erlassen. Das führt, außer zu einer weiteren Verelendung der Tiere dazu, das mitleidige Menschen nachts, in aller Heimlichkeit Futter ausbringen und sich seither verfolgt und gedemütigt fühlen und Angst vor Strafe haben müssen. So viele Tauben man auch verbotener weise durch Vergiften und andere unappetitliche Methoden „entsorgt“. Es kommen immer wieder Neue.

Dabei ist des Rätsels Lösung denkbar einfach: Sie brauchen ein Zuhause!

Die Lösung

Teil 1
Der Plan ist, eine ausreichende Anzahl von Taubenschlägen an Standorten zu bauen, die stark von Tauben frequentiert werden. In diesen Taubenschlägen werden die Tiere regelmäßig mit artgerechtem Futter  (Körnermischung) versorgt. Da sie von Natur aus eher bequem sind, ziehen sie sich gern hierhin zurück, verbringen so ca. 80 % des Tages hier, paaren sich und brüten auf ihren Eiern. Durch diese gesteuerte Geburtenkontrolle stoppt die Population. Der Kot (pro Tier 10 kg im Jahr) wird nicht mehr auf den Straßen und Gebäuden abgesetzt. Er kann im Schlag entsorgt werden. Dieser wird durch einen Betreuer regelmäßig gesäubert und kontrolliert. Ärger und Diskussionen über Für und Wider diverser Maßnahmen sowie die immer wieder auf der Tagesordnung erscheinenden gleichen Argumentationen und Gegenargumentationen, kurz unnötige Zeitverschwendung, bleibt den Stadtverwaltungen erspart. Durch artgerechtes Futter, sauberes Wasser und wenn nötig medizinische Hilfe und Pflege entstehen kleine, gesunde Populationen. Das bedeutet auch: Es geht von den Tauben keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung aus. In vielen anerkannten Studien wurde dies bewiesen. In einigen deutschen Städten wird bereits die hier beschriebene  effiziente Herangehensweise praktiziert. Den größten Erfolg können allerdings nur die Städte verzeichnen, die konsequent und professionell vorgehen  und im Laufe der Zeit flächendeckend agieren.

Das Ziel ist:

   keine hungrigen Tauben auf der Straße

   keine beschmutzen Gebäude und Autos

   keine hässlichen Vergrämungen, die das Stadtbild beeinträchtigen


Teil 2

Ein beliebter Aufenthaltsort für Tauben sind auch Brücken und Unterführungen. Wenn in deren Nähe keine Möglichkeiten für einen Schlagbau gegeben sind, kann man alternativ verfahren, indem man die Brücken regelmäßig betreut. Man füttert täglich artgerecht, tauscht zweimal im Monat die Eier aus und kümmert sich um kranke und verletzte Tiere. Der Aufwand zeigt auch hier beeindruckende Wirkung. Durch die artgerechte Fütterung wird auch hier die Verkotung eingeschränkt, weil die Vögel nicht mehr den nassen Durchfallkot produzieren, der sich schlecht durch die Straßenreinigung entfernen lässt. Auch gilt hier natürlich genauso die Verringerung der Population. Mit dieser Vorgehensweise ist dem Tierschutz genüge getan, ebenso den Interessen von Städten und Gemeinden und natürlich den Bürgern.

Teil 3
Darüber hinaus benötigt man noch kontrollierte Futterplätze. Sie dienen als Lenkungsinstrument. Hier dürfen ebenfalls nur autorisierte Personen nach Plan füttern. Man kann keine Eier austauschen. Trotzdem muss gefüttert werden. Tauben sind Stress-Brüter. Durch Hunger, der für sie Existenzangst bedeutet, geraten sie naturgemäß in Stress und brüten bis doppelt soviel wie bei regelmäßiger Ernährung (Arterhalt). Dies muss man wissen für den gezielten und sinnvollen Einsatz von Fütterungsverboten und zur Vermeidung von Tierquälerei. Wenn dann Schläge vorhanden sind, kann man die Tiere einfangen und dort einsetzen. Dann werden sie in einer abgetrennten Abteilung gehalten, die sie für einige Wochen nicht verlassen können. Man wartet bis sie sich verpaart haben und brüten. Dann können sie, wie alle anderen, den Schlag nach Wunsch zu ihren schön anzusehenden Rundflügen verlassen um ihr Zuhause immer wieder aufzusuchen.

Bei flächendeckender Umsetzung in NRW verschwindet das so genannte „Taubenproblem“ von der Tagesordnung.

Monika Piasetzky, Vorsitzende Tierschutzverein Düsseldorf  Info

Treff: Mülheim, Haus Ruhrnatur, Alte Schleuse 3
NABU, Mülheimer Tierschutzverein, Mülheimer Vogelfreunde

Quelle / Weitere Infos: NABU-Ruhr.de